• A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Alle
Press Enter
  • Negativzinsen

    Im regulären Kreditgeschäft erwirtschaften Geldgeber (Gläubiger) mit Krediten und Darlehen vertraglich vereinbarte Zinssätze. Auch Kontoeinlagen sind im Regelfall verzinst. In Ausnahmefällen entstehen statt einem solchen Zinsertrag Negativzinsen. Darlehen und Kredite dieser Art verlangen dem Gläubiger Strafzinsen ab, anstatt Erträge in Aussicht zu stellen. iFunded erklärt die Zusammenhänge des widersprüchlichen Phänomens.

    Wozu Negativzinsen? Definition der Strafzinspolitik

    Notenbanken nutzen Negativzinsen im Rahmen der Niedrigzins-Strategie als gezielte Aktion, um ausländisches Kapital abfließen zu lassen. In der jüngeren Vergangenheit kam der Negativzins in der Europäischen Union außerdem zum Einsatz, um die Wirtschaft anzukurbeln.

    Die massiven Auswirkungen der Negativzins-Strategie auf private Geldanlagen zeigen sich im aktuellen Jahrzehnt mehr, denn je. Kreditinstitute geben negative Zinsen der Zentralbank mittlerweile vermehrt an ihre Kunden weiter, um eigene Verluste einzudämmen.

    Wieso Notenbanken die Negativzins-Strategie nutzen

    Während den 1970er Jahren belegte die Schweizerische Notenbank ausländisches Kapital mit Negativzinsen. Zur Erklärung flossen damals große Summen an Spekulationsgeldern aus dem Ausland in die Schweiz, wodurch der Franke im Vergleich zu anderen Währungen massiv aufgewertet wurde.

    Die Aufwertung des Franken verteuerte das Exportgeschäft. Daraufhin nutzte die Notenbank Negativzinsen, um für Kapitalabfluss zu sorgen und den Franken dadurch zu senken. Wirtschaftliche Negativfolgen im Hinblick auf den Export wurden durch diese Strategie reguliert.

    Mittlerweile ist die Strafzins-Strategie zum Zweck des ausländischen Kapitalabflusses nicht die einzige Negativzins-Strategie der Notenbanken. Seit der Banken- und Eurokrise versucht die Europäische Zentralbank durch Negativzins-Politik die Wirtschaft anzukurbeln.

    So prägt die Negativzins-Politik der Zentralbank das Niedrigzins-Zeitalter

    Zum ersten Mal kam der Negativzins der Europäischen Zentralbank 2014 zum Einsatz. Einlagen wurden in diesem Zusammenhang mit Zinsen unter null Prozent belastet. Diese Negativzins-Strategie forderte Kreditinstituten größere Umsätze im Hinblick auf das Kreditgeschäft ab.

    Durch die Minuszins-Strategie sollten mehr Darlehen an Geschäfts- und Privatkunden ausgegeben werden. Negativzinsen der Notenbank regen in dieser Hinsicht Investitionen und Konsum an. Dies hat Wirtschaftswachstum zur Folge. Das Niedrigzins-Zeitalter ist aus diesem Grund auch als Konsumzeitalter bekannt. Ähnliche Auswirkungen haben Leitzinsen knapp über null Prozent.

    Obwohl Notenbanken mit niedrigem Leitzins und Negativzins die Wirtschaft anregen, hat diese Politik auch unangenehme Auswirkungen. Sobald Banken mit ihren Einlagen negative Zinssätze erwirtschaften, drohen ihnen Verlustgeschäfte. Je höhere Zinsen Kreditinstitute fortan den eigenen Kunden gewähren, desto wahrscheinlicher wird das Minusgeschäft. Vor diesem Hintergrund sinken die Zinsen für Kontoeinlagen im Niedrigzins-Zeitalter stetig.

    Bankeinlage oder Kredit? Negativzinsen wirken sich auf Finanzentscheidungen aus

    Kreditnehmer stoßen mittlerweile immer häufiger auf Kreditangebote mit Negativzinsen. Darlehen dieser Art schenken Ihnen Geld. Sie zahlen dem Geldgeber unter diesen Umständen weniger Geld zurück, als Sie aufgenommen haben. Größere Kreditinstitute wie die Sparkasse folgen dem Prinzip noch nicht. Aktuell bewegen sich Kreditzinsen trotzdem auch hier im niedrigen Bereich. So wie die Negativzins-Politik der Zentralbank die Kreditkonditionen verbessert, verschlechtert sie allerdings die Bedingungen für Kontoanleger.

    Immer mehr Geldhäuser übertragen den negativen Einlagezins der Notenbank auf ihre Anleger. Neben institutionellen Anlegern sind hiervon Privatkunden mit Einlagen über 100.000 Euro betroffen. Nach einem rechtskräftigen Urteil aus dem Jahr 2017 darf Ihre Bank Minuszinsen für Tagesgeld- und Girokonten nicht nachträglich erheben. Viele Finanzexperten bezeichnen das Urteil allerdings als Einzelfallentscheidung. Das erklärt, wieso einige Kreditinstitute bis heute an der Minuszinspolitik festhalten.

    Getarnt als „Verwahrungsendgeld“ verwandelt der Negativzins Ihre Geldanlage in einen Verwahrungsvertrag. Vor allem Volks- und Raiffeisenbanken verlangen von „vermögenden Anlegern“ noch immer Negativzinsen. Ab welchem Betrag und in welcher Höhe Minuszinsen entstehen, unterscheidet sich von Bank zu Bank. Von institutionellen Anlegern fordern aktuell vorwiegend Sparkassen negative Zinsen.

    Wie Negativzinsen & negative Realzinsen Bankeinlagen zum Verlustgeschäft machen

    Kontozinsen im roten Bereich sind für Privatanleger noch immer ein Ausnahmefall. Trotzdem verwandeln sich auch private Bankeinlagen im Niedrigzins-Zeitalter schnell in ein Verlustgeschäft. Das liegt weniger an Negativzinsen als am negativen Realzins in Folge der Geldentwertung (Inflation).

    Obwohl Sie weder mit dem einen noch dem anderen Gewinne erwirtschaften, sind Negativzinsen und negative Realzinsen nicht dasselbe Phänomen. An negative Realzinsen verlieren Sparer laut Finanzexperten deutschlandweit stetig höhere Vermögenssummen.

    So unterscheiden sich negative Realzinsen vom Negativzins

    Fällt der Nominalzins Ihrer Bankeinlage unter null, so liegt ein Negativzins vor. Sie bezahlen in diesem Fall eine Geldstrafe für Ihre Einlage. Einen Ausweg bieten gebührenfreie Tagesgeldkonten. Anders als der Negativzins ergibt sich der negative Realzins, wenn die Inflationsrate Ihren Nominalzinssatz übersteigt.

    Um den Realzins zu berechnen, ziehen Sie vom Nominalzinssatz Ihrer Geldanlage die Inflationsrate ab. Vor dem Abzug bewegt sich der Nominalzins in der Regel über null. Bei Negativzinsen ist das niemals der Fall. Im Vergleich zu Negativzins-Strategien begegnet der negative Realzins privaten Sparern wesentlich häufiger.

    Inflationssichere Geldanlagen gegen negative Realzinsen

    In Orientierung am Verbraucherpreisindex ist die deutsche Inflationsrate im vergangenen Jahrzehnt stetig angestiegen (Mai 2018: 2,2 Prozent). Der Berechnung liegt der Preisanstieg zugrunde, den deutsche Produkte und Dienstleistungen innerhalb eines Jahres verzeichnen. Neben monatlichen Aufwendungen wie Lebensmitteln und Miete fließen staatliche Gebühren und Steuerkosten in die Betrachtung mit ein.

    Während die Inflationsrate steigt, sinkt der Zinssatz für Kontoeinlagen in Folge der Negativzins-Politik. Für deutsche Geldanlagen wie Tagesgeldkonten liegt der durchschnittliche Nominalzinssatz laut Experten bei noch lediglich 0,27 Prozent im Jahr. Abzüglich der Inflationsrate ergibt das einen negativen Realzins von 1,93 Prozent.

    Inflationssichere Geldanlagen sind aus diesen Gründen gefragter denn je. Viele Experten raten zu krisensicheren Optionen abseits der klassischen Kapitalanlage. Einige Banken und Unternehmen geben Wertpapiere mit flexiblem Zinssatz heraus, die Inflationsrisiken abfedern. Sobald die Inflationsrate eine vorher festgelegte Höhe übersteigt, steigt die Verzinsung solcher Wertpapiere an und beugt dadurch größeren Verlusten vor.

    Sachinvestitionen zum Schutz vor Negativzinsen & Inflation

    Trotz Möglichkeiten wie flexibel verzinslichen Wertpapieren empfehlen Finanzexperten im Niedrigzins-Zeitalter vor allem Sachanlagen, um negativen Realzinsen zu entgehen. Eine Alternative zu klassischen Kapitalanlagen kann beispielsweise der Gold- oder Immobilienkauf sein. Wie alle Sachwerte sind diese Objekte im Vergleich zu Geld- und Anlagevermögen seltener von rapider Geldentwertung betroffen. Zur selben Zeit binden diese Anlagen Ihr Geld, wodurch die Kontoeinlage mit möglichem Negativzinssatz hinfällig ist.

    Gold gilt seit jeher als eine der inflationssichersten Geldanlagen. Seit den 70er Jahren hat sich der Goldpreis verfünffacht und ist seit der weltweiten Finanzkrise weiter angestiegen. Trotz hohem Einstiegspreis profitieren Anleger von der Sicherheit dieser Anlageform. Immobilien sind in der jüngeren Vergangenheit noch beliebtere Optionen. Nach der Investition erwirtschaften Sie im Falle einer Vermietung konstante Mieteinnahmen.

    Wer in Wohnungen oder Häuser investieren möchte, verfolgt idealerweise die Preis- und Mietentwicklung in der Region der Wahl. Ähnlich wichtig ist vor dem Kauf ein überlegter Finanzplan, der sämtliche Aufwendungen und Einnahmen gegenüberstellt. Auch Sachanlagen wie Oldtimer, Kunst oder Möbel gewinnen derzeit an Relevanz. Die meisten davon sind Experten zufolge aber nur bei entsprechendem Hintergrundwissen zu empfehlen.