Der Leitzins ist eines der wichtigsten geldpolitischen Steuerungselemente der Europäischen Zentralbank (EZB) innerhalb des Euroraums. Er gibt an, zu welchem Zinssatz sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen können. Zusätzlich bietet der Leitzins eine Vorgabe für Zinsen die sowohl für Kredite als auch für Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld verlangt bzw. geboten werden.

Tagesgeld

Als Tagesgeld bezeichnet man die Geldsumme eines Sparers, die über keine feste Laufzeit bei der Bank angelegt ist. Die Banken können den Zins täglich neu festlegen. Unter Tagesgeld versteht man ebenfalls das auf ein Tagesgeldkonto (täglich verfügbar) eingezahlte Geld.

Festgeld

Ein Sparer legt eine Geldsumme über eine vorher festgelegte Laufzeit bei der Bank an und kann über diese Dauer nicht auf sein Geld zugreifen. Das angelegte Festgeld wird im Vorfeld zu einem festgelegten Satz verzinst.

Vorteile von Festgeld sind:

  • Flexibilität
  • Planungssicherheit
  • Schutz durch Einlagensicherung der Banken und des Staates

Ziel der EZB mithilfe des Leitzinses

Das Ziel ist es, mit dem Leitzins eine Preisstabilität zu erreichen. Dazu legt die Zentralbank drei verschiedene Zinssätze bzw. Leitzinsen fest.

  • Einlagezinssatz: Der Einlagezinssatz reguliert die Kapitalanlagen bei der EZB. Er ist ein bestimmter Zinssatz, der bei einer Inanspruchnahme der Einlagefazilität von Geschäftsbanken gewährt wird. Zusammengefasst stellt der Einlagezinssatz die Untergrenze für den Tagesgeld-Zinssatz dar. Denn bei der Erhöhung der Leitzinsen müssen Banken Zinsen für ihre Tagesgeld-Anlagen ebenfalls erhöhen.
  • Hauptrefinanzierungssatz: Dies ist der wichtigste unter den Leitzinsen. Er ermöglicht Geschäftsbanken im Rahmen des Hauptrefinanzierungsgeschäftes der EZB durch befristete Transaktionen eine Refinanzierung. Über den Hauptrefinanzierungssatz wird der Geldmarkt beeinflusst.
  • Spitzenrefinanzierungssatz:  Als der dritte Zinssatz der Zentralbank dient der Spitzenrefinanzierungssatz einer Bereitstellung kurzfristiger Kredite für die Geschäftsbanken. Diese werden ebenfalls „Übernachtkredite“ genannt, welche bereits am folgenden Tag fällig werden. Somit können Liquiditätsengpässe der Banken verhindert werden, da benötigtes Kapital bereitgestellt wird.

EURIBOR

Euribor steht für „Euro Interbank Offered Rate“. Er ist ebenfalls Teil der genannten Leitzinsen und wird hauptsächlich für die Vergabe von variabel verzinsten Krediten verwendet. Der Euribor ist ein durchschnittlicher Zinssatz der obigen genannten Leitzinsen. Er gilt als Referenz für Fest- und Termingelder. Er ist ausschlaggebend, weil er einer möglichen Inflation oder Deflation entgegenwirken kann.

Welche Auswirkungen beeinflusst ein niedriger / hoher Leitzins?

Bei der Senkung des Leitzinses (auch „expansive Geldpolitik“ genannt) unter 0 Prozent sind Banken in der Lage, günstiger bei der Zentralbank Geld zu leihen. Dafür gibt es aber auch geringere Zinsen für Sparanlagen: Die Sparneigung und Anzahl der Neuanlagen sinken. Kreditzinsen sinken und der Konsum steigt, d.h. es finden mehr Investitionen statt, ein Immobilienboom entwickelt sich und es besteht eine hohe Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Mit der Geldmenge am Markt steigt ebenso die Inflationsrate. Dies führt wiederum zu einem instabilen bzw. steigendem Preisniveau und kurbelt somit das Wirtschaftswachstum an. Zudem gibt es die Befürchtung, dass bei der Senkung des Leitzinses Spekulationsblasen entstehen können. Denn wenn Sparzinsen niedrig sind, wird Geld zunehmend in Immobilien oder Wertpapieren angelegt.

Bei einer Leitzinserhöhung (auch „restriktive Geldpolitik“ genannt) über 0 Prozent müssen die Banken teuer Geld leihen. Kreditzinsen steigen, der Konsum sinkt, welches zur Folge hat, dass Geldinvestitionen sinken und eine Immobilienflaute entsteht. Somit sinkt ebenfalls die Inflationsrate und ggf. das Preisniveau.

Zusammenfassend bewirkt die Senkung des Leitzinses ein Wirtschaftswachstum, und somit die Leitzinserhöhung eine Drosselung. Diese Auswirkungen machen den Leitzins zum wichtigen Mittel der Geldpolitik.

Wie an der folgenden Grafik zu erkennen ist, liegt seit Anfang 2016 der Leitzins im Euroraum bei 0,00 Prozent.

Aktueller Leitzins:

Euroland                         Japan                               Großbritannien                                   USA

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