Crowdfinanzierung ist eine beliebte Möglichkeit der Kapitalbeschaffung. Im Folgenden finden Sie eine Definition und eine Vorstellung der vier verschiedenen Arten. Abschließend zeigen wir Ihnen die Vor- und Nachteile der Crowdfinanzierung auf.

Crowdfinanzierung – Definition

Die Crowdfinanzierung wird im Englischen auch „Crowdfinancing“ oder „Crowdfunding“ genannt. Der englische Begriff „crowd“ bedeutet „(Menschen-)Menge“. „Funding“ sowie „Financing“ stehen für „Finanzierung“. Im Deutschen wird diese Form der Finanzierung auch Schwarmfinanzierung genannt.

Crowdfinanzierung ist in Deutschland eine beliebte Möglichkeit für kleinere Unternehmen oder Privatpersonen, Projekte zu verwirklichen. Wer das Geld für ein bestimmtes Vorhaben benötigt, erstellt online eine Crowdfunding-Kampagne. Jeder, der von dieser Idee überzeugt ist, kann das Projekt anschließend finanziell unterstützen. Die Kapitalgeber werden auch Crowdfunder oder Crowd genannt.

Die Crowdfinanzierung erfolgt nach dem „Alles oder Nichts“-Prinzip. Der Kapitalnehmer legt zu Beginn der Kampagne einen Betrag fest, den er für die Realisierung des Projektes benötigt. Wenn diese Grenze nicht erreicht wird und das Projekt infolgedessen nicht realisiert werden kann, müssen auch diejenigen kein Geld überweisen, die sich bereits zu einer finanziellen Beteiligung bereit erklärt haben.

Im Rahmen der Crowdfinanzierung wird zwischen dem vergütungsbasierten Crowdfunding, dem Crowdlending, dem donation-based Crowdfunding und dem Crowdinvesting unterschieden. Diese vier Arten der Crowdfinanzierung weisen Unterscheide hinsichtlich der Gegenleistung auf, die der Kapitalnehmer erbringt.

Reward-based Crowdfunding

Wenn von „Crowdfunding“ gesprochen wird, ist in der Regel das reward-based Crowdfunding gemeint. Bei dieser Art der Crowdfinanzierung erbringt der Kapitalnehmer eine materielle Gegenleistung. Die Teilnahme an einer Crowdfunding-Kampagne hat also nicht immer nur finanzielle, sondern häufig auch idealistische Motive.

Beispiel

Ein junger Unternehmer möchte ein neu entwickeltes Produkt auf den Markt bringen. Zur anfänglichen Produktion fehlen ihm jedoch die finanziellen Mittel. Anstatt einen Kredit aufzunehmen, erstellt er eine Crowdfunding-Kampagne im Internet. Jeder, der sich mit einem Mindestbetrag in Höhe von 200 Euro beteiligt, bekommt als Dankeschön das Produkt geschenkt, noch bevor es auf dem freien Markt erhältlich ist.

Crowdinvesting – equity-based Crowdfunding

Eine weitere Form der Crowdfinanzierung ist das Crowdinvesting. Diese wird auch equity-based Crowdfunding oder eigenkapitalbasierte Schwarmfinanzierung genannt. Diese Form der Finanzierung findet als partiarisches Darlehen statt. Demnach werden die Crowdfunder am Erfolg des Unternehmens, sprich an den Gewinnen beteiligt.

Beispiel

Herr Mustermann benötigt für seine Unternehmensgründung 100.000 Euro. Er kann 60.000 Euro Eigenkapital einbringen. Weitere 40.000 Euro fehlen ihm. Über eine Crowdinvesting-Plattform hat er die Möglichkeit, auf sein Projekt aufmerksam zu machen. Jeder, der von der Idee überzeugt ist, kann das Projekt finanziell unterstützen. Als Gegenleistung wird anschließend jeder Kapitalgeber entsprechend seiner für das Projekt zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel am Gewinn des Unternehmens beteiligt.

Crowdlending – lending-based Crowdfunding

Das Crowdlending ähnelt dem Darlehen einer Bank. Jeder Crowdfunder, der sich finanziell an dem entsprechenden Projekt beteiligt, erhält als Gegenleistung für einen bestimmten Zeitraum einen festgelegten Zinssatz. Dieser liegt in der Regel zwischen 4 und 8 Prozent, kann jedoch je nach Kampagne variieren. Im Gegensatz zum Crowdinvesting ist die Rendite der Kapitalgeber in diesem Fall nicht vom Erfolg des Unternehmens abhängig.

Beispiel

Als Beispiel für das Crowdlending kann ebenso wie zuvor Herr Mustermanns Unternehmensgründung herangezogen werden. Im Gegensatz zum Crowdinvesting werden die Kapitalgeber beim Crowdlending jedoch nicht an den Gewinnen des neu gegründeten Unternehmens beteiligt, sondern erhalten Zinsen für ihr eingesetztes Kapital.

Spenden – donation-based Crowdfunding

Auch bei der Beschaffung von Spenden kann von einer Art der Crowdfinanzierung gesprochen werden. Diese Variante der Geldbeschaffung wird auch „donation-based Crowdfunding“ genannt. Im Rahmen dessen können auf diversen Plattformen im Internet Ausschreibungen veröffentlicht werden, die zur finanziellen Beteiligung an einem Projekt aufrufen. Für die Beteiligung erhalten Kapitalgeber keine finanzielle oder materielle Gegenleistung. Die Spende erfolgt lediglich aus idealistischen Gründen.

Beispiel

Das donation-based Crowdfunding wird beispielsweise genutzt, um zur finanziellen Unterstützung von sozialen Projekten aufzurufen.

Vorteile der Crowdfinanzierung

Die Crowdfinanzierung bringt sowohl für Kapitalnehmer als auch für Kapitalgeber Vorteile mit sich:

  • Als Teil der Crowd können Sie zur Finanzierung von Immobilien oder anderen unternehmerischen Projekten beitragen. Auch, wenn Sie sich nur mit einem verhältnismäßig geringen Kapitaleinsatz beteiligen möchten.
  • Die Laufzeiten von Crowdfinanzierungs-Kampagnen mit 1 bis 3 Jahren Dauer sind verhältnismäßig kurz.
  • Crowdfinanzierungen sind transparenter als z. B. der Kauf von Aktien. Als Kapitalgeber wissen Sie genau, für welches Projekt Ihr eingesetztes Kapital genutzt wird. Wenn Sie hingegen Aktien kaufen, wissen Sie lediglich, welches Unternehmen Sie unterstützen. Nicht jedoch, welche Projekte mit dem Geld tatsächlich realisiert werden.
  • Für Unternehmensgründer bietet die Crowdfinanzierung die Möglichkeit, notwendiges Kapital zu beschaffen, wenn z. B. Banken den Antrag auf ein Darlehen ablehnen. Für eine Crowdfinanzierungs-Kampagne sind deutlich weniger Sicherheiten notwendig als bei der Beantragung eines Bankenkredites.
  • Des Weiteren hat die Crowdfinanzierung für Unternehmensgründer den Vorteil, dass sie den zu erschließenden Markt vor dem geplanten Markteintritt testen können. Durch eine Crowdfunding-Kampagne finden sie heraus, wie viele andere Menschen von der eignen Geschäftsidee überzeugt sind und ob es viele potentielle Kunden gibt.
  • Zudem gewinnen die Kapitalnehmer bereits zu Beginn des Projekts eine Community für sich. Diese unterstützt das Vorhaben nicht nur finanziell, sondern kann ebenso zu potentiellen Kunden werden. Denn in der Regel unterstützen die Menschen Projekte nur dann als Kapitalgeber, wenn sie von ihnen selbst überzeugt sind.

Nachteile der Crowdfinanzierung

Neben den genannten Vorteilen bringt eine Crowdfinanzierung für die Kapitalgeber auch einige Nachteile gegenüber anderen Anlagemöglichkeiten mit:

  • Der Vertrag kann lediglich bei einer Leistungsstörung gekündigt werden.
  • Die Crowdfunder erhalten kein Mitspracherecht und können somit keinen Einfluss auf den Erfolg des Projektes nehmen.
  • Beim Crowdlending sowie beim Crowdinvesting handelt es sich um Formen von nachrangigen Darlehen. Falls der Kapitalnehmer Insolvenz anmeldet, bedeutet dies für die Crowd, dass erst alle anderen Gläubiger des Kapitalnehmers an den Vermögenswerten beteiligt werden, bevor die Crowdfunder den Anteil erhalten, der ihnen zustünde.
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